Werner Pinger

Werner Pinger wird am 14. Juni 1930 als ältestes Kind von Franz Pinger und Alwine Pinger, geb. Hirsch, geboren. Zwei Jahre später bekommt er zwei Geschwister, die Zwillinge Marlene und Walter Pinger. In seiner Kindheit wechselt er häufiger den Wohnort, die meiste Zeit verbringt er jedoch in Köln Riehl in der Stammheimer Straße. 
 
Die Mutter von Werner Pinger ist Jüdin, die mit ihrer Heirat zum katholischen Glauben konvertiert. Franz Pinger bleibt trotz des äußeren Drucks in der gesamten NS-Zeit bei seiner Frau. Er handelt immer nach dem Motto, entweder überleben alle oder keiner.  
 
Seine Großeltern gelten nach NS-Rassegesetzen beide als jüdisch, obwohl seine Großmutter ursprünglich katholisch war. Sie werden 1939 in der Lütticher Straße in einem ‚Judenhaus’ interniert. Später kommen sie beide in das Sammellager in Müngersdorf, wo sich ihre Wege dann bald trennen. Maria Hirsch wird entlassen mit der Auflage, das Gaugebiet Köln-Aachen zu verlassen. Hugo Hirsch dagegen wird nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet. 
 
Werner Pinger besucht die Volksschule Stammheimer Straße. Nach der vierten Klasse besucht er das humanistische Gymnasium in Köln Deutz, bis er und seine ganze Familie 1944 verhaftet werden. Vorher war seine „nicht arische“ Abstammung für ihn kaum Thema gewesen. Die Familie entzieht sich jedoch der Haft, indem sie einen Gestapobeamten linkt. Von da an lebt Familie Pinger, aufgeteilt bei verschiedenen Verwandten im Kölner Umland, im Untergrund. 
 
Kurz vor Kriegsende, als die linke Rheinseite bereits von den Amerikanern befreit ist, kommen die Pingers zurück nach Köln, um das ersehnte Kriegsende abzuwarten. Ihr Onkel traut sich nicht, die Familie aufzunehmen, so kommt es, dass sich die Pingers in der Kanalisation verstecken. Nicht, wie anfangs vermutet einige Tage, sondern fünf Wochen verbringt die Familie in der Kanalisation und wartet auf das Kriegsende. Der Vater sorgt für die Ernährung, indem er nachts Streifzüge durch Köln unternimmt. Als der Krieg vorbei ist, sind die Pingers völlig entkräftet und ausgehungert, aber froh, dass es endlich vorbei ist. 
 
Nach dem Krieg baut Franz Pinger ein Speditionsunternehmen auf, in dass auch Werner Pinger später, nachdem er sein Abitur absolviert hat, einsteigt.
 
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