Jakob Schulz

Jakob Schulz wird am 28.4.1933 geboren. Seine ersten Lebensjahre verbringt er in einem Kinderheim in Köln Sülz, anschließend kommt er 1940 in ein Heim in Stolberg bei Aachen. Seine Schwester, von der er aber erst viel später erfährt, lebt im selben Heim wie er. Die Erziehung dort erfolgt nach nationalsozialistischen Grundsätzen. Den Kindern im Heim wird nachhaltig eingebläut, dass sie die Zukunft des Führerstaates seien. Die Behandlung der Kinder ist dennoch sehr menschenunwürdig.  
 
In das Jungvolk tritt Jakob Schulz bereits mit 8 Jahren ein und wird auch hier nur „im Sinne des Führers“ geformt. Jeden Abend verbringt er fortan im HJ-Heim in Stolberg. 1942 ist dann der „Tag des Herren“ an dem Hitler nach Stolberg auf den Donnerberg kommt. Alle Fähnlein aus dem Gau Aachen marschieren dort auf. 
 
Schon früh fallen erste Bomben auf Stolberg. Am 21. September 1944 müssen die Kinder das Kinderheim wegen starker Angriffe verlassen. Zunächst flüchten sie in einen Stollen, werden aber verschüttet. Dort befreit, werden sie anschließend in einer Spiegelmanufaktur untergebracht. Von dort aus bekommen sie die Straßenkämpfe zwischen Wehrmacht, SS und den heranrückenden Amerikanern mit und nehmen sogar selbst daran Teil. Mehrmals wird die Stadt eingenommen und wieder zurückerobert. Eines Tages wird die Spiegelmanufaktur von einer Bombe getroffen. Die Kinder – zahlreiche von ihnen sind verletzt - werden in Viehtransportern nach Gronau gefahren und dort in einer Turnhalle untergebracht. In Gronau wird Jakob Schulz zu seiner Überraschung von seinem Vater und seiner Stiefmutter abgeholt. Bis dahin wusste er nicht, dass er überhaupt einen Vater hat. Auch von seiner Schwester erfährt er nun das erste Mal. 
 
Mit seiner neuen „Familie“ geht er zunächst nach Köln und anschließend nach Bad-Langensalza. Es stellt sich schnell heraus, dass sein Vater Alkoholiker ist und dass das Zusammenwohnen auf engem Raum nicht lange gut gehen kann. Jakob Schulz bezeichnet seine Rolle in dieser Zeit selbst als „Sklave, der Essen ranschaffen musste“. Er entschließt sich, zusammen mit einem Freund abzuhauen. Nach mehreren Stationen und zahlreichen neuen Kriegserfahrungen werden die Jungen in Suhl von der Polizei wieder eingesammelt und nach Hause gebracht. 
 
Zu Kriegsende empfindet Jakob Schulz den Amerikanern gegenüber nur Hass. Er ernährt sich in dieser Zeit von Resten auf Müllkippen. Als die Familie wieder zurück nach Köln kommt, wollen sie beim Bruder des Vaters unterkommen, doch auch dessen Haus ist zerstört. Sie richten sich dann dort eine aus Trümmern improvisierte Wohnung ein.  
 
In der Nachkriegszeit ist Jakob Schulz vor allem mit der Lebensmittelbeschaffung beschäftigt. So steht „Maggeln“ und „Hamstern“ ganz oben auf der Tagesordnung. Wenn er nach Hause kommt, "versäuft" der Vater meistens den Erlös. Jakob Schulz arbeitet in dieser Zeit jeweils kurzfristig auch bei verschiedenen Arbeitgebern. In der unmittelbaren Nachkriegszeit wird er wegen eines geklauten Kanninchenschenkels im Klingelpütz inhaftiert. Er wird zu Erziehungsheim und Jugendarrest verurteilt und macht wiederum schlimme Erfahrungen.
 
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