Korruption

Korruption war in der nationalsozialistischen Diktatur ein wesentliches Strukturelement.

Politische Korruption wird im Allgemeinen als Missbrauch eines politischen Amtes für private Zwecke definiert. Bestechung, Bereicherung, Klüngel und Unterschlagung war und ist in jedem politischen System anzutreffen.

Während des Dritten Reichs wurde Korruption von den Machthabern weitgehend tabuisiert. In der öffentlichen Meinung der Bevölkerung wurde dieser Missstand allerdings thematisiert und skandalisiert. Hitler jedoch, der nachweislich in Korruptionsfälle verwickelt war, war von der Kritik weitgehend ausgenommen. Auch war die Bevölkerung selbst in großen Teilen an korrupten Handlungen beteiligt, zum Beispiel bei der "Arisierung" jüdischen Eigentums.

Nach 1933 bereicherten sich vorrangig die "Alten Kämpfer", während der gesamten NS-Zeit führten die Parteikader ein luxuriöses Leben. Wenn gegen Korruption vorgegangen wurde, beschränkte sich das meistens auf missliebige Cliquen bei Machtkämpfen innerhalb des Systems. Während des Krieges weitete sich die Bereicherung auf die besetzten Gebiete aus. Korruption, die während der Weimarer Republik von den Nazis als "Bonzenwirtschaft" angeprangert worden war, war integraler Bestandteil des NS-Systems.

Bajohr, Frank: Parvenüs und Profiteure.
www.historikertag2002.uni-halle.de/programm/5_15_01.shtml
www.zeit.de/archiv/2001/13/200113_p-bajohr.xml