Artikel aus dem Jüdischen Wochenblatt 1932: „Überfälle auf Synagogenbesucher“ der Gemeinde Adass Jeschurun in der St. Apern Straße

  

Adass Jeschurun

Die seit 1908 als selbständige, orthodoxe Separatgemeinde Kölns registrierte Adass Jeschurun war eine Religionsgemeinschaft traditionell gesetzestreuer Juden, die sich von der religiösen Assimilation und den reformatorischen Maßnahmen der Großgemeinde absonderten.

Die Religionsgemeinschaft der Addas Jeschurun entwickelte sich aus kleinen Gruppen, die 1863 bei dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde Kölns einen Raum für eigene Gottesdienste erbaten, da ihnen die Liturgie der Großgemeinde zunehmend zu reformiert und assimiliert war. Sie wollten nicht zu der Reformen durchführenden und begünstigenden Gemeinde gehören und somit für diese nicht mit verantwortlich sein. Aus diesen sich absondernden Gruppen entstanden die Austritts- und Separatgemeinden wie die Addas ("Gemeinde") Jeschurun ("Redlicher"). Ihre orthodoxen Mitglieder suchten einen Gottesdienst ohne reformierte Liturgie. Aus dem Gebetsverein innerhalb der Synagogengemeinde Kölns mit traditioneller Liturgie, die bald einen eigenen Beetsaal in einem Haus am Cäcilienkloster mietete, wurde ab 1908 eine selbständige Synagogengemeinde. Inzwischen hatte diese längst die Leitung des im gleichen Haus befindlichen Lehrerseminars und der Rabbiner Dr. Hirsch Plato die Leitung der Separatgemeinde übernommen. 1884 erbaute die Gemeinde ihre eigene Synagoge in der St.-Apern-Str. Zur Addas Jeschurun gehörten Institutionen und Lehranstalten wie die Volksschule Moriah in der St.-Apern-Str., der Israelitische Wohltätigkeitsverein Kossnauss Aur, Jugendvereine, die Vereinigung Jüdischer Akademiker sowie ein jüdisches Lehrerseminar und Realgymnasium.

In der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wurde die Synagoge der Addas Jeschurun zwar nicht eingeäschert, aber bis auf ihr Mauerwerk zerstört. 1939 begann verstärkt die Auswanderung der Gemeindemitglieder wie die der Großgemeinde. Mit der Auswanderung vieler ihrer Mitglieder sowie der Übersiedelung ihrs langjährigen Vorsitzenden hörte die Addass Jeschurun auf zu bestehen.

Zvi Asaria (Hrsg.): Die Juden in Köln, Köln 1959, S. 237 ff.