„Kittelbach-Piraten“ um 1932/33

  

Kittelbachpiraten

Die Kittelbachpiraten waren eine bündische Gruppierung, hervorgegangen aus einem in Düsseldorf gegründeten Wanderbund. Zur Bundeskluft gehörten Nagelschuhe, schwarze Hose und Hemd, schwarzes Barett, eine Koppel mit dem Totenkopf und Zimmermannshalstuch. Die K. waren straff organisiert und verfügten Anfang 1933 über eine eigene Bundes-Zeitung" mit dem Titel "Auf die Barrikade". Der Sitz des Bundes war Düsseldorf.

Januar 1933 hatte der Bund in Rheinland und Westfahlen 465 eingeschriebene Mitglieder. Gegen Ausgang der Weimarer Republik existieren "Trupps" der K. in Krefeld, St. Tönis und Anrath, Gladbeck, Strerkrade, Essen, Duisburg, Wuppertal und Düsseldorf. Wegen ihres männlichen Gebarens und ihres Draufgängertums hatten die K besonders starken Einfluss auf Arbeiterjugendliche.

Die K. zählten zu den militant rechtsgerichteten Jugendverbänden und Bünden wie Jungstahlhelm, Bismarckjugend etc. Zahlreiche Hinweise belegen Engagement der K. für die Nationalsozialisten in der "Kampfzeit", besonders im Strassenkampf mit den Kommunisten.

Offiziell wurden die Gruppen der K. bereits im Herbst 1933 verboten, in Liedern und Erzählungen hielt sich ihre Legende bis zum Ende des "Tausendjährigen Reiches". Nach der Auflösung des "Wander-Bundes" trat ein Teil zur Hitlerjugend und SA über. Andere schlossen sich informellen Jugendgruppen oder den Nerothern und Pfadfindergruppen an.

Bevor sich der Begriff der Edelweisspiraten für die besonders im rheinisch-westfälischen Industriegebiet bestehenden Jugendgruppen ab 1937/38 durchsetzte, benutzen die NS-Behörden anfänglich auch die Bezeichnung "Kittelbachpiraten" als Sammelbezeichnung für Angehörige von "wilden Jugendbünden".

Benz: Enzyklopädie des Nationalsozialismus
Alfons Kenkmann: Wilde Jugend, S. 59-63