Flaggenstreit

Streit um die Farben der deutschen Fahne während der Weimarer Republik

Schon zu Beginn der Weimarer Republik schwelte ein Streit um die deutschen Farben: Die Anhänger der neuen Republik standen für die schwarz-rot-goldene Fahne der bürgerlichen Freiheitsbewegung von 1848/49. Die Gegner der Weimarer Republik jedoch, Konservative und Nationalisten, forderten die Farben des untergegangenen Kaiserreichs: schwarz-weiß-rot. Die Auseinandersetzung führte 1919zu einem Kompromiss: Offizielle Reichsfarben der Weimarer Republik wurden schwarz-rot-gold, die Handelsflotte aber führte eine schwarz-weiß-rote Flagge mit den neuen Farben in einer Ecke.

Der Kompromiss stellte jedoch nicht zufrieden: 1926 kam der politisch-emotional geladene Streit wieder auf, als das Kabinett Luther beschloss, dass deutsche Behörden im überseeischen Ausland künftig auch die schwarz-weiß-rote Handelsflagge zeigen dürften. Diese Entscheidung löste massive Proteste bei den Befürwortern der neuen Farben schwarz-rot-gold, also bei Sozialdemokraten, Freien Gewerkschaften und Demokraten aus.

Die Demokraten stellten daraufhin im Kabinett einen Missbilligungsantrag, der von Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten mit einer Mehrheit angenommen wurde. Noch am selben Tag trat das Kabinett von der Regierung zurück.

Grevelhörster, Ludwig: Kleine Geschichte der Weimarer Republik, S. 126