Jugendturnfest

Im Nationalsozialismus traten im Jugendsport an die Stelle der bisherigen „Reichsjugendwettkämpfe“ das „Deutsche Jugendfest“ und der „Reichssportwettkampf der HJ“, damit die gesamte Jugend öffentlich „Zeugnis von der Kraft und Unbesiegbarkeit des Volkstums“ ablegte.

Leistungsproben und Sport-Wettkämpfe gehörten zum Alltag in der Hitlerjugend, die die alten „Reichsjugendwettkämpfe“ sofort übernommen hatte und sie treu als eigene Erfindung unter dem neuen Namen beibehielt. Das Programm des „Deutschen Jugendfestes“ bestand aus einem Dreikampf im Laufen, Springen und Werfen.

Nachdem nun die Staatsführung hinter dem Jugendsport stand, wurde neben der bisherigen deutschen Vereinsjugend auch die bis dahin nichtorganisierte Jugend damit angesprochen, die Teilnehmerzahl der neuen Wettkämpfe steigerte sich von 1 auf 3, 6 Millionen.

Gleichzeitig gründete die Reichsjugendführung zusammen mit dem Sportbund sogenannte „Jugendmeisterschaften“, die von den Sportvereinen bisher vermieden worden waren, um den sportlichen Ehrgeiz der Jugend nicht zu früh zu wecken. Darauf legte die sportliche Ausbildung unter der Hitlerjugend im Nationalsozialismus keinen Wert mehr, sodass die ersten Jugendmeisterschaften 1937 parallel zum Parteitag in Nürnberg stattfanden. Hierzu waren die Besten aus den Vorkämpfen in allen Gauen entsandt worden. Von da ab wurde dieser Wettkampf weiter entwickelt, jedoch vom Trubel des Parteitages getrennt und als eigene Veranstaltung der Hitlerjugend weitergeführt, die ein ganzes Jahresprogramm aus den Jugendmeisterschaften entwickelte: Wintersportmeisterschaft und Frühjahrsgeländelauf, Hallenturnwettkämpfe, Fuß-, Handballturniere, Sommerkampfspiele sowie Turn- und Sportfeste.

Zur Leitung dieser Wettkämpfe sowie zur Ausbildung ihrer jugendlichen Teilnehmer begann die HJ bald, eigene Fachkräfte in Konkurrenz zu den Lehrern der bisherigen alten Sportvereine auszubilden. Die Kosten des gesamten Sportbetriebes wurden aus der Parteikasse bestritten, insgesamt wurden jährlich 1,2 Milliarden Reichsmark für die Jugendmeisterschaften aufgewandt.

Bernett: NS-Leibeserziehung, S. 149.
Pfeiffer: Diem: Der Sport in der Zeit des Nationalsozialismus, S. 21 ff.