Prof. Dr. Carl Coerper um 1937

  

Carl Coerper

Dr. Carl Coerper, Mitglied der NSDAP und des NS-Ärztebundes, war im Dritten Reich Stadtobermedizinalrat und Beigeordneter der Stadt Köln.

Carl Coerper, geboren am 24. September 1886 in Elberfeld, studierte Medizin in Kiel, Tübingen, Heidelberg und Bonn. Nach dem medizinischen Staatsexamen (1911) wandte er sich als Sekundärarzt der Kinderheilkunde zu und absolvierte seine Zeit als Assistenzarzt an der Kinderklinik Barmen (1913-1914). 1914 heiratete er Jurena Stockmann; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

Im Ersten Weltkrieg diente Coerper als Marinearzt auf einem Minensuchkreuzer. 1918 ging er zunächst wieder an die Barmener Kinderklinik zurück und erhielt seine Facharzt-Ausbildung als Pädiater. 1920 wurde er Kreiskommunalarzt im Landkreis Düsseldorf, seit 1923 hielt er Vorlesungen an der Sozialhygienischen Akademie in Düsseldorf. Coerper wurde zuständig für die Riehler Heimstätten und die Waisenpflege. 1928 gründete er die Deutsche Sozialhygienische Gesellschaft. 1932 habilitierte er sich und hielt seither auch Vorlesungen über Eugenik und Bevölkerungspolitik an der Universität zu Köln.

Am 6. Juli 1926 wurde Carl Coerper gegen die Stimmen der SPD zum neuen Beigeordneten und Dezernenten für das Gesundheitswesen der Stadt Köln gewählt. Mai 1933 trat er in die NSDAP ein und wurde Mitglied des NS-Ärztebundes. In der NSV stieg er bald zum Gauunterabteilungsleiter auf. 1933 wandte sich Coerper an die höheren Beamten des Gesundheitsamtes, sich „auf den Boden der Tatsache zu stellen und an der Aufbauarbeit im Sinne einer nationalen Haltung“ teilzunehmen. Inzwischen hatte er einen eigenen Lehrauftrag für Volksgesundheitspflege erhalten (1937).

In seiner Eigenschaft als Dezernent für das Gesundheitswesen der Stadt Köln sind von Coerper Verlautbarungen zur Ausgrenzung junger polnischer Mütter, Kinder oder Zigeuner von der Städtischen Frauenschule bekannt. Er forderte, dass die Behandlung jüdischer Patienten ausschließlich im Israelitischen Asyl erfolgen sollte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Coerper, seiner Gesundheitsämter sowie seines Lehrauftrages enthoben, nach Hohegrete in die französische Zone, wo er ein Hilfskrankenhaus der evangelischen Kirche aufbaute. Kurz darauf erhielt er eine Stelle beim Evangelischen Hilfswerk Westfalen in Bielefeld. Hier leitete Coerper den Wiederaufbau zerstörter Krankenhäuser. 1950 wurde er Geschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitswesen“, aus der 1955 die „Deutsche Zentrale für Volksgemeinschaft“ hervorging, deren Geschäftsführer er bis 1956 blieb. Coerper starb am 4. Januar 1960.

Materialsammlung NS-Dokumentationszentrum
Fings, Karola/ Sparing, Frank: Rassismus Lager Völkermord. Die nationalsozialistische Zigeunerverfolgung in Köln, Köln 2005, S. 184 f., 190, 430 f.