Titelseite des Programmhefts zum Film "Jud Süß"

  

Jud Süß

Antisemitischer Spielfim

Unter der Regie von Veit Harlan wurde der Film „Jud Süß“ in Anlehnung an Wilhelm Hauffs gleichnamige Novelle aus dem Jahr 1827 und Lion Feuchtwangers Roman im Jahr 1940 gedreht und am 5. September des Jahres in Venedig uraufgeführt. In den Hauptrollen spielten Ferdinand Marian, Heinrich George, Werner Krauß und Kristina Söderbaum. Regisseur Harlan setzte in verschiedenen Filmsequenzen 120 Juden aus dem Ghetto Lublin ein.

Angelegt als authentischer Historienfilm, der angeblich auf Akten des Württembergischen Staatsarchivs basiert, wurde der Verlauf der Geschichte manipuliert. Die Hauptfigur, Joseph Süß-Oppenheimer, ist zwar eine historische Figur, seine Lebensgeschichte erfährt aber im Film entsprechend der rassistischen Propagandaabsichten der Nationalsozialisten eine völlige Verkehrung. Oppenheimer wird als Prototyp des kriminellen, amoralischen Juden dargestellt, der mit durchtriebenen Finanztricks das Herzogtum ruiniert und Christenmädchen verführt – ein überaus deutlicher Verweis auf das NS-Bild der „Rassenschande“. Der Film war dazu gedacht, Hass gegen die Juden zu schüren und gleichzeitig Verständnis für die harten antijüdischen Maßnahmen im Krieg zu wecken. Dass dies in beträchtlichem Umfang gelang, zeigt die Tatsache, dass es im Anschluss an Filmvorführungen häufig zu lokalen Ausschreitungen gegen Juden kam.

Einen massiven Einsatz erfuhr dieses mit zwei Millionen Reichsmark von Goebbels Propagandaministerium geförderte filmische Machwerk im Bereich der Jugendarbeit. „Staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll, jugendwert“ lautete das 1940 verliehene Prädikat für „Jud Süß“.

Nach dem Krieg wurde der Film als »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« eingestuft, sein Regisseur Veit Harlan dagegen von persönlicher Schuld freigesprochen!

[nach: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S. 531; Bedürftig: Lexikon III. Reich, S. 201f.]