Kaufhaus Leonard Tietz A.G. in der Hohestraße in Köln, um 1920

  

Kaufhaus Tietz

Jüdisches Kaufhaus in Köln, das "arisiert" und in "Kaufhof" umbenannt wurde.

1891 richtete der jüdische Textilkaufmann Leonhard Tietz seinen ersten Kölner Laden in der Kölner Hohen Straße ein. Das war zugleich das erste Warenhaus im Westen Deutschlands, dem viele Filialen im In- und Ausland folgten. Der Hauptsitz des Tietz-Unternehmens legte Leonhard Tietz nach Köln. Schon zwei Jahre später hatte Tietz zwei weitere Geschäfte in Köln eröffnet und konnte weiter expandieren.

1914 wird als größtes und modernstes Warenhaus Europas ein Neubau an der Hohen Straße eröffnet. In diesem Gebäude befindet sich der heutige "Kaufhof". Im selben Jahr starb Leonhard Tietz. Der älteste Sohn des Firmengründers, Alfred Leonhard Tietz wurde Generaldirektor. 1929 hatte das Geschäftsunternehmen 34 Filialen und 15.000 Angestellte.

Schon vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten hetzten die Nazis gegen das Kaufhaus Tietz; 1933 organisieren sie Boykotte gegen jüdische Firmen und Läden. Als für den 1.4.1933 ein Boykott angekündigt wurde, brachte die Frau des Generaldirektors Alfred Tietz ihre Kinder und die Witwe Leonhard Tietz´ nach Amsterdam in Sicherheit. Alfred Tietz und sein Bruder Gerhard zogen sich aus dem Vorstand zurück. Bis 1934 mussten alle jüdischen Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates zurücktreten. Der Firmenname wurde in "Westdeutsche Kaufhof Aktiengesellschaft" abgeändert.

Die Familie Tietz emigrierte nach Holland; zwei Monate vor der deutschen Besetzung 1940 konnte sie nach Israel fliehen, wo Alfred Tietz bereits ein Jahr später starb. Seine Witwe wanderte in die USA aus.

Im Zweiten Weltkrieg fungierte der jetzt "arisierte" Kaufhof als Ort der Warenverteilung, da Lebensmittel und Güter rationiert wurden. Im Bombenkrieg 1942 wurde die Nutzfläche des Kaufhofs weitgehend zerstört. Bereits am 16. April 1945 konnte der Kaufhof jedoch wieder in Betrieb genommen werden. Die Familie Tietz wurde nach Kriegsende vom Kaufhof finanziell abgefunden. Auch über Gehalts- und Pensionsansprüche einigte man sich.

Peter Fuchs: 100 Jahre Kaufhof Köln 1891-1991