Ludwig Kaas

  

Ludwig Kaas

Der katholische Theologe und Zentrumspolitiker Ludwig Kaas trug maßgeblich zum Abschluss des Reichskonkordats zwischen der nationalsozialistischen Regierung und dem Vatikan bei.

Ludwig Kaas wurde am 23. Mai 1881 in Trier geboren. Nach seinem Studium in Trier wurde er 1906 zum Priester geweiht. Von 1918 bis 1924 war er Professor für Kirchenrecht in Trier. Ludwig Kaas saß für das Zentrum in der Nationalversammlung und von 1920 bis 1933 im Reichstag. Ab 1929 war er Parteivorsitzender des Zentrums.

Ludwig Kaas, der lange Jahre Berater des späteren Papstes Pius XII. war, vertrat den konservativen Flügel seiner Partei. Er stand der Weimarer Republik nicht sonderlich freundlich gegenüber und unterstützte 1932 die Bildung einer Regierung der „nationalen Konzentration“, die eine Beteiligung der Nationalsozialisten mit einbezog. Ihm schwebte eine Stärkung der Stellung des Vatikans in Deutschland vor.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten trat Ludwig Kaas für die Zustimmung seiner Fraktion zum Ermächtigungsgesetz ein, mit dem sich der Reichstag selber entmachtete. Kaas verließ sich dabei auf vage mündliche Zusagen Hitlers, der unter anderem die Sicherung der Rechte der Kirchen versprochen hatte. Unter der maßgeblichen Beteiligung von Ludwig Kaas kam am 20. Juli 1933 das Reichskonkordat zwischen der deutschen Reichsregierung und dem Heiligen Stuhl zustande, das der Kirche gewisse Rechte zustand, aber gleichzeitig die nationalsozialistische Diktatur anerkannte und die katholischen gewerkschaftlichen und politischen Organisationen preisgab.

Während des Konkordatsabschlusses befand sich Ludwig Kaas in Rom, wo er im Exil blieb. Bis 1945 schloss er sich vornehmlich dem zurückhaltenden Kurs des Papstes gegenüber dem Dritten Reich an. Ludwig Kaas starb am 15. April 1952 in Rom.

Zentner, Christian/Bedürftig, Friedemann (Hg.): Das große Lexikon des Dritten Reiches, München 1985, S. 299.