Felten & Guilleaume/ Carlswerk in Köln-Mülheim im Jahr 1925

  

Carlswerk (Felten & Guilleaume)

Das Carlswerk ist das Kabelwerk der Firma Felten & Guilleaume in Köln-Mülheim.

1820 gründeten der ehemalige Obermeister der Kölner Seilerzunft, Johann Theodor Felten und sein Schwiegersohn Carl Guilleaume ein Seilereigeschäft am Kartäuserwall, wo zunächst feine Seilerwaren produziert wurden. Bald mauserte sich Felten & Guilleaume jedoch zur bedeutendsten Kölner Seilerfabrik, gemischte Produktionen mit Draht und eine Stärkefabrik kamen hinzu. Die Erfindung von Drahtseilen wurde von entscheidender Bedeutung für den weiteren Erfolg des Unternehmens. 1838 setzte es bereits Dampfmaschinen zur Produktion von Drahtseilen für den Bergbau ein. Die Errichtung von Telegrafenstrecken seit 1849 brachte weiter großen Aufschwung, 1851 entwickelte Felten & Guilleaume die ersten Kabel aus Eisendraht. 1860 wurde unter Franz Carl Guilleaume die Draht- und Kabelherstellung (Telegrafenkabel, Schwachstromkabel) in einem neuen Werk zum Ziel genommen.

Am 1. Mai 1873 erfolgte der Baubeginn des nach ihm benannten Carlswerkes in Köln-Mülheim. Hierfür hatte Franz Carl Guilleume von Emil Guilleaume Grundstücke mit Bahnanschluß gekauft. Unter seiner Leitung wurde das Carlswerk seit 1874 zum bedeutendsten Betrieb in der deutschen Kabelindustrie. Damit hatte sich die Firma Felten & Guilleaume vier Jahrzehnte nach ihrer Gründung vom Hersteller für Seilerwaren auch zum weltweit führenden Kabelhersteller entwickelt. Das, von vielen Mülheimern noch heute als "Jillijum" bezeichnete Unternehmen, wurde bald zum größten Arbeitgeber im Kölner Raum, südlich vom Carlswerk entstanden zahlreiche Arbeiter- und Werkswohnungen. Vor dem Ersten Weltkrieg waren hier mehr als 6.000 Arbeitnehmer beschäftigt, das Aktienkapital der Familien-AG betrug 1902 um 36 Millionen Mark. Da die Firma bereits stark im internationalen Geschäft stand, bedeutete der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zunächst einen Rückschlag. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verlagerte das bekannte Mülheimer Unternehmen, seit Mai 1941 von Bomben geschädigt, weite Teile seiner Produktion vorübergehend nach Süddeutschland.

Fuchs, Peter: Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Köln 1991, S. 153, 163.
Jung, Werner: Das neuzeitliche Köln, Köln 2004, S. 170 f.